Argumentationen und Verständnis

Ich bin in Gesprächen mit solchen Menschen teilweise erschüttert, wie die Argumentationslagen gedreht und gewendet werden. Wie man andere – in diesen Zusammenhängen durchaus wichtige Argumente einfach mal auf die Seite schiebt. Argumente als unwichtig erklärt. Aber gleichzeitig Lügen und wahnwitzige Konstrukte verbreitet.

Vegane Lebensweisen genauer betrachtet

Beziehen wir das ganze zum Beispiel einmal auf die Ernährung unserer Tiere in veganen Haushalten. Viele Tiere werden dort durchaus schon entsprechend vegan ernährt. Theoretisch, wie auch praktisch, ist es durchaus möglich (dazu werde ich die Tage noch etwas ausführlicher werden). Doch benötigt es die Industrie für Nahrungsergänzungen.

Biovegan dürften diese Futtermittel auch nicht sein, denn es gibt in Deutschland gerade einmal 10 Betriebe. Mit diesen können schätzungsweise 1400 Menschen ernährt werden. Diese Form der Landwirtschaft ist sehr belastend für die Umwelt und laugt die Böden aus. Selbst mit einer guten Fruchtfolge kann man dieses nicht abfedern. Man kann also davon ausgehen, dass sich hier tierische Produkte zumindest in der Produktion der Rohstoffe wiederfinden lassen. Sie die Produktionsanlagen vegan? Die meisten Produktionsstätten werden mehrfach genutzt und so können nicht vegane Produkte dort durch die Maschinen laufen. Kann man Rückstände immer ausschließen? Vermutlich nicht, wenn man sich mal die Warnhinweis auf entsprechenden Produkten anschaut.

Wenn in diesen Haushalten nun für die fleischfressenden Hausgenossen Produkte tierischer Herkunft verfüttert werden, kann man dann noch von einem veganen Leben oder veganen Haushalt sprechen? Streng genommen noch weniger, als bei Haushalten die sich nicht Biovegan ernähren. Der im Labor gezüchtet Fleischersatz ist noch nicht so weit, dass dieser in Produktion geht und damit Menschen wie Tiere ernähren kann. Woher kommt dann eigentlich das Fleisch (sei es nun roh oder bereits verarbeitet). Direkt vom Erzeuger, Bio oder vielleicht doch eher Massentierhaltung?

Ja es sind eine Menge Fragen. Diese werden in solchen Gesprächen nur nie beantwortet. Im Gegenzug wird dann eher behauptet, dass man es wahlweise nicht verstanden, keine Ahnung oder sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hätte. Manchmal wird einem auch erklärt, dass man Blödsinn erzählt und einem zur Erklärung die bekannten Lügen präsentiert. Gerne gibt es dann auch Literaturtipps für ein veganes Leben.


Ein Mittelweg ohne bewusstes Verzichten auf tierische Produkte

Gehen wir einmal weg von den Extremen (Veganes Leben und Massentierhaltung bzw. Billigprodukte) und schauen uns dazwischen einmal um. Regionalität (mit oder ohne Permakultur) ist schon einmal ein respektvoller Umgang mit unserer Umwelt. Direkt vom Erzeuger noch einmal in Bezug auf Ressourcen. Wenn man auf dem Land wohnt, hat man alle Möglichkeiten. Selbst die regionalen Produktionsstätten (zum Beispiel Molkereien) sind dort sehr offen und Informationsfreudig. Hier wird das „from nose to tail“ durchaus wörtlich genommen. Es gibt nichts, was vom Tier nicht verarbeitet wird. Kein Tier wird geschlachtet, wenn nicht alle Teile verkauft sind. Die Bauern bestücken inzwischen Kühl- und Gefriertruhen in Supermärkten mit ihren Produkten. In den Regalen findet man immer häufiger Regionales. Regional kaufen verkürzt Transportwege, was sich auf die Umwelt auswirkt. Man unterstützt die eigene Wirtschaft, das sollte man auch nicht verachten. Man bekommt gute Qualität die man sehen und schmecken kann – auch bei Obst und Gemüse. Aber auch für die Städter gibt es durchaus Möglichkeiten. Diese sind dann wieder mit etwas längeren Transportwegen verbunden, aber immer noch von ausgesuchten Höfen aus Deutschland.

Natürlich ist es etwas teurer, aber auch das macht einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln aus. Es kann sich durchaus immer noch jeder leisten, wenn man seine Ernährung und die seiner Tiere entsprechend anpasst. Hunde brauchen keine 80% Fleisch in einer Tagesration und ich als Mensch esse es auch nicht jeden Tag.

Aber ja ich esse Fleisch. Generell esse ich mit Genuss, weil es mir schmeckt und ich weiß wie mein Fleisch gelebt hat. Ja ich weiß auch wie es geschlachtet wird. Es gibt sogar Höfe, da wird ganz spontan und entspannt auf dem Hof geschlachtet. Gibt es nicht? Na dann schaut einmal auf dem Scheuerhof vorbei. Dieser hat nicht nur seine Tierhaltung umgestellt, sondern generell auf Permakultur. Die Betreiberin ist eine wirkliche Könnerin im Tiertraining und dort bekommen die Rinder ein Schlachttraining. Auch hier gibt es die direkte Vermarktung zu einem guten Preis.


Was macht den Menschen eigentlich aus?

Nicht die Ernährung macht den Menschen aus, sondern sein Umgang mit der gesamten Umwelt und den darin befindlichen Ressourcen. Zu diesen Ressourcen gehören ebenso Energie, Wassereinsatz, Herstellungsbedingungen, Bedingungen für die Menschen und Tiere die direkt beziehungsweise indirekt an der Produktion beteiligt sind, Emissionen durch Herstellung und Transport. Dieses nicht nur für die Ernährung, sondern für das gesamte Leben.

Es ist nun einmal so, dass wir unser Leben niemals wirklich frei von tierischen Produkten oder Leid bekommen. Irgendwo ist immer etwas dabei. Sei es die Zerstörung von Lebensräumen für den Anbau eines gerade sehr gefragten Lebensmittel oder den Einsatz der Hinterlassenschaften von Tieren für die Düngung von selbigen. Zum Färben von Stoffen werden immer noch häufig tierische Produkte verwendet. Ein komplettes bioveganes Leben ist Utopie. 

Der Verzicht von Fleisch wird auch an den Problemen mit dem Klima nichts ändern. Hier ist es an der Industrie im allgemeinen zu handeln. Ein Elektroauto ist zwar toll - ich liebäugle auch mit dem einen oder anderen - aber in der Herstellung absolute Klimakiller. Der sogenannte grüne Strom ist super, aber hat sich schon mal jemand überlegt, welche Klimabilanz die Herstellung der Anlagen hat? Import und Export machen die Menschheit nicht erst seit gestern aus. Handel gibt es schon sehr sehr lange. Aber die Transporte sind da nicht ganz ohne. 

Umstellung auf Permakulturen und Verzicht auf Pestizide und Düngung? Auch ein guter Gedanke. Wer erinnert sich noch daran, auf den Äckern sitzend die Käfer von den Pflanzen zu sammeln? Was passiert mit der Ernährung von uns Menschen und unseren Tieren, wenn es zu schlechten Ernten kommt? Auch in diesem Jahr klagen die Bauern über Ernteverluste. Bilder aus Afrika - unter anderem - zeigen die Auswirkungen dieser Extreme. 

Nein ein Verzicht auf Fleisch oder tierische Produkte oder gar die Abschaffung der Nutzviehhaltung als solches ist keine Rettung unseres Planeten. Entsprechend gibt es keine besseren oder schlechteren Menschen. Jeder Mensch hat seine eigene Lebensweise. Somit hat jeder Mensch eine toleranten Umgang verdient, auch wenn man nicht der selben Meinung ist. Diese Offenheit anderen gegenüber sollte aber nicht nur in der Ernährung gelten, sonder auch im Tiertraining, im Tierschutz (ja auch dort legt jeder andere Schwerpunkte) oder bei der Auswahl seiner Tiere. Man kann anderer Meinung sein. Es darf gerne diskutiert werden, aber der Respekt dem anderen gegenüber gehört immer ein Stückweit dazu. 

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