Zwei Aussagen, die einem immer wieder begegnen


Im Grunde wollte ich heute endlich wieder meinen normalen Tagesgeschäften nachgehen. Aber so ganz lässt mich das Thema um die beiden Hunde immer noch nicht los. Ich möchte heute also noch einmal schnell auf die häufig getroffenen Aussagen eingehen, die im Zusammenhang mit den beiden Übergriffen durch Hunde und die damit verbundenen drei toten Menschen häufig als Argumentation angeführt wurden und werden.

Der Hund hat eine zweite Chance verdient, Menschen bekommen diese ja auch

Ist das so? Ich kann mich an viele Kommentare erinnern, wo man Menschen - die getötet haben – am liebsten hängen würde. Meinungsäußerungen ala »ich hoffe, ich finde den vor der Polizei.«, »Schade das es bei uns keine Todesstrafe mehr gibt, der hätte sie verdient«, oder »lasst mich nur 5 Minuten mit dem alleine und schaut nicht hin ...«

Ähnliche Äußerungen gibt es, wenn ein verurteilter Straftäter seine Zeit abgesessen hat und mit einer guten Sozialprognose entlassen werden soll. Die öffentliche Empörung wird ja schon bei den Freigängen laut. Wie kann man nur, was wenn wieder was passiert. Man möchte wissen, wo diese Person wohnen wird, damit man die Nachbarn warnen kann. Es geht sogar so weit, dass sich das Land entscheidet, »prominenten« Straftätern bei der Entlassung eine neue Biografie zu geben, damit für diese ein Leben überhaupt möglich ist.

Das nur bei Straftaten die Menschen gegen Menschen begangen haben. Wenn es um Straftaten gegen Tiere geht, sind die Kommentare um einiges fragwürdiger. Hier möchte man nicht selten das selber mit den Menschen machen, was dieser vermeintlich mit dem Tier angestellt hat.

In diesem Zusammenhang werde ich den Verdacht nicht los, dass manche Vertreter der menschlichen Gattung einen großen Menschenhass in sich tragen. Hier greift das Unrechtsempfinden nicht. Hier wird nicht gefragt, was dem Menschen wohl widerfahren sein mag. Was zu der Tat geführt haben mag, steht außer Frage.

Bei einem Hund ist das natürlich alles ganz anders, der kann ja nichts dafür, da ist der Mensch schuld. Wahlweise die Haltung, die Herkunft oder die Gesundheit. Beim Menschen sind diese Faktoren uninteressant.

In unserer Welt wird immer mehr mit zweierlei Maß gemessen.

 

Kein Hund wird aggressiv geboren!

Hier kann man nicht mit Ja oder Nein antworten. Fakt ist doch, dass jede Rasse für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet wurde oder wird. Die »Kampfhunde« waren mal für die Jagd und auch für den Krieg gedacht. Zu einer Zeit, als man noch mit Nahkampfwaffen unterwegs war. Erst mit der Erfindung der Schusswaffen wurden diese Hunde nicht mehr für diese Aufgabe benötigt. Dass war die Zeit, wo die Arenen - die schon vorher zur Belustigung existierten – für den kleinen Mann interessant wurden. Hund gegen Bär oder Wolf. Aber auch Hund gegen Hund. Dieses ist bis heute nicht völlig verschwunden.

Für die Wachhunde und Schutzhunde ist eine bestimmte Grundaggressivität (welche nur eine Reaktion auf Reize geleitet durch eine Hormonausschüttung ist) nicht gerade schlecht. Es ist doch nicht selten, dass man hier schon im Sportbereich auf ganz andere Dinge wert legt, als bei Hunden die eher zu Familienhunden gemacht werden sollen.

Eine selektive Zucht soll genau diese Reaktionen verstärken. So wählt man dann auch seine Verpaarungen. Ob diese genetisch gut zusammen passen steht auf einem anderen Blatt. Häufig sind in den Stammbäumen durchaus hohe Inzuchtraten zu erkennen.

Bei anderen Rasse versucht man »unerwünschte« Verhaltensweisen, wie eine übermäßige Aggression oder Ängstlichkeit durch gezielte Verpaarungen zu vermindern. Sollte doch mal ein ein Kandidat auffallen – was ja schon sehr früh auffällt – wird dieser aus der Zucht genommen. Warum tut man das? Genau, damit dieses Verhalten nicht weitergegeben wird.

Selbstverständlich ist die Genetik nicht alles und im Grunde macht es nur einen sehr kleinen Teil aus. Aber die Anlagen sind definitiv vorhanden und diese sind durch eine Erziehung nur schwer bis gar nicht zu beeinflussen. Hier heißt es Management. Ein Leben lang. Wenn man weiß, was der Reaktionsauslöser ist, ist es gar nicht schwer. In diesem Fall kann man Alternativen etablieren. Dennoch bleibt immer die Gefahr einer entsprechenden unerwünschten Reaktion. Wer mit einem verhaltensoriginellen Hund zusammenlebt, der weiß, was ich meine.

Hat ein Hund mit so einer Veranlagung nun auch noch eine isoliert oder komplett reizlose Aufzucht genossen, dann herzlichen Glückwunsch. Deprivation (egal ob als gesamtes Syndrom oder situative Schäden) sind gepaart mit Aggressionen kein Spaß mehr. Hier kann man einem Menschen nur den Vorwurf machen, dass er diesen Hund gekauft hat. Genau diese sind die Kandidaten, die so gar nicht auf Erziehung und Ausbildung ansprechen, dass man nicht mehr ein noch aus weiß. Viele Menschen scheuen sich einen Tierarzt für Verhaltensmedizin um Rat zu fragen oder gar pharmazeutischen Mittel für diesen Bereich einzusetzen. Sie sind einfach nur überfordert. Ist es dann eigentlich fair, diesen überforderten Menschen Vorwürfe zu machen? Ich denke nicht.

Zu sagen, kein Hund wird aggressiv geboren, ist fast genauso fahrlässig, wie einem auffälligen Hund keinen Maulkorb aufzuziehen, wenn man sich mit diesem den öffentlichen Raum betritt. Die Genetik beeinflusst das Verhalten genauso wie die Haltung, Erziehung, Ausbildung und Erfahrung. Aggression ist per se auch nichts Schlimmes. Sie gehört zum Leben dazu und ist überlebenswichtig. Wir Menschen haben auch Aggressionen in unserem in unseren Verhaltensweisen. Wenn wir laut werden oder uns streiten ist es eine Form von aggressivem Verhalten. Ist nicht schön das so zu lesen, aber es ist so.

Frustrationstoleranz und Impulskontrolle spielen bei unseren Tieren wie bei uns Menschen eine große Rolle. Gesundheitliche Aspekte, Hormone sowie Lernerfahrungen beeinflussen alle Säugetiere. Wir Menschen sind im Grunde auch nur Tiere. Wenn alles nur Erziehung ist, sollten wir in unserer Spezies ganz schnell beginnen. Zurzeit wäre dieses ein sehr guter Anfang. Nie war der Krieg so nah wir jetzt.

Brauchen wir verschärfte Rasselisten oder strengere Auflagen?

Nein wir brauchen keine Rassenlisten. Ich bin tatsächlich dafür diese mit all ihren Konsequenzen abzuschaffen und dafür eine allgemeine Sachkunde in Theorie und Praxis einzuführen. 

Nur tatsächlich auffällig gewordene Hunde sollten eine Einstufung als gefährlich mit entsprechenden Auflagen und von mir aus auch erhöhten Steuern bekommen. Tatsächlich bin ich auch dafür, dass Ärzte - egal ob für Menschen oder Tiere - und Versicherungen eine Meldepflicht für Hundebisse bekommen. So kann kein Tier durch die Maschen fallen und es werden durchaus schwerer Vorfälle verhindert. In diesem Zusammenhang soll natürlich nicht direkt eine Einstufung als gefährlich erfolgen, sondern erst einmal in einer Anhörung die Situation geklärt werden. Es kann ja entsprechende Ursachen und Begleiterscheinungen gegeben haben. Danach sollte entschieden werden ob eine medizinischen Untersuchung, eine Wesensbegutachtung, einige Stunden bei einem Hundetrainer oder entsprechende Sicherungsauflagen angeordnet werden. Natürlich kann in diesem Zusammenhang auch einfach nur eine Ermahnung oder Verwarnung ausgesprochen werden. 

Das System wie es im Moment besteht hat schon öfter versagt und sollte dringend überholt werden. Dieses geht nur politisch. Leider werfen die Vorfälle in der letzten Zeit einiges an Steinen und Geröll in den Weg. Diese müssen wir Hundehalter gemeinsam aus dem Weg räumen. 

 

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