Im Grunde war eine Eskalation – egal in welche Richtung – nur eine Frage der Zeit. Wenn jetzt die Aussagen von der Diakonie oder den Handwerkern betrachtet werden, war die Familie überfordert. Alle angesprochenen Personen hatten im Grunde Angst vor dem Hund. Sie haben die Wohnung erst betreten, wenn der Hund weggesperrt war. 

Wie es genau zu dieser Eskalation kam, kann man nicht nachvollziehen. Niemand scheint den Vorfall ernst genommen zu haben, da es in der Wohnung öfter zu Streitigkeiten kam. Ob weitere Personen involviert waren, konnte bei den Ermittlungen nicht festgestellt werden. Die Obduktion ergab als Todesursache einen hohen Blutverlust, welche durch die Bissverletzungen hervorgerufen wurde. 

Ab hier gibt es viele Spekulationen und Verschwörungstheorien. Unsägliche Diskussionen und menschenverachtendes Verhalten vonseiten sogenannter Tierschützer. Die Verstorbenen werden als »Nacktaffen« bezeichnet. Man hofft, dass sie einen langsamen und qualvollen Tod hatten. Es wird der Schwester unterstellt, dass sie Mutter und Bruder ermrodet hat und daher die Polizei informieren konnte. Ein weitere Hund kommt ins Spiel, weil Chico nicht über und über mit Blut beschmiert war. Der gewalttätige Ehemann, der seiner Zeit die Mutter mit einem Axtangriff in den Rollstuhl beförderte. In den letzten Tagen habe ich viel in diese Richtung gelesen. Doch Fakt ist, dass die Obduktion nur Bissverletzungen und einen hohen Blutverlust ergab. Bisher ist auch nichts über Fremdspuren bekannt, welche auf einen weiteren Täter schließen lassen. 

Die Stadt hat – auch wenn diese das Drama hätten verhindern können – folgerichtig eine Einschläferung angeordnet. Es wurde dagegen protestiert. Eine Petition wurde so oft geteilt und unterschrieben. Eine Demonstration vor dem Amt – an einem Sonntag – ins Leben gerufen. Es wurde versucht im Tierheim einzubrechen. Der Hund bekam Besuch von einem Verein. Es wurden Übernahme Angebote gemacht. Die Stadt hat sich dem Druck erst einmal gebeugt und die angesetzte Einschläferung erst einmal gestoppt. Für mich ist diese auf der einen Seite sehr löblich, aber auf der anderen Seite hat es ebenso eine falsche Signalwirkung. Dazu komme ich später noch einmal. 

Selbstverständlich bin ich auch dafür, dass ein Tier nicht eingeschläfert wird, wenn kein entsprechender Grund vorliegt. Allerdings sind tote Menschen durchaus ein Grund. Hier kann man es sehr gut erklären. Niemand weiß um den Auslöser. Warum ist der Hund plötzlich so durchgegangen? Hier kommen mögliche Erkrankungen ins Spiel. Chico soll Wucherungen im Maul habe. Diese können Schmerzen verursachen und so zu der Attacke geführt haben. Diese Wucherungen können aber auch »harmlos« und schmerzfrei sein. Ein Hirntumor wird zusätzlich vermutet. Dieses weiß man erst nach einer Untersuchung, welche bis her nicht erfolgte. Wenn es nun keine gesundheitlichen Einschränkungen gibt, kennt kein Mensch den Auslöser. Dieses macht Chico so gefährlich. Man kann nichts trainieren oder wirklich absichern. Man muss 24/7 auf der Hut sein. Ein Maulkorb ist gut und schön, aber was ist, wenn dieser genau im falschen Augenblick versagt? Was wenn dieser abgestreift wird? Leinenzwang ist auch eine tolle Maßnahme. Ein Hoch auf den, der noch nicht Blut und Wasser geschwitzt hat, weil die Leine im falschen Augenblick gerissen ist. 

Chico ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vermittelbar. Er muss in einem Tierheim bleiben, sein restliches Leben lang. Die meisten Tierheime sind dafür nicht ausgerichtet. Die Zwinger sind für eine solche Dauerunterbringung meist zu klein. Wer vom Personal soll die Aufgabe übernehmen, den Hund täglich in einen Auslauf zu bringen oder ihm der Sozialpartner sein? Allein von der Versicherung her, ist ein direkter Kontakt zu solchen Hunden schwierig. Dazu kommt die Personalfrage. Es müssen immer mindestens zwei Mitarbeiter für diesen Hund eingesetzt werden. Selbst wenn es nur darum geht den Zwinger zu putzen. Es darf im Grunde kein Publikumsverkehr auch nur ansatzweise in die Nähe dieses Zwingers kommen. 

Spezielle Einrichtungen, wie sie jetzt im Gespräch ist, gibt es in Deutschland nur 5 oder 6 Stück, die sich wirklich auskennen. Zumindest kenne ich nur diese 5 direkt. Eine weitere Einrichtung behaupte es von sich und auch, dass dort Erfahrung bestehe. Nehmen wir jetzt einmal die 5 wirklich seriös arbeitenden Vereine. Diese sind immer voll. Von 3 Vereinen habe ich eine deutliche Stellungnahme gehört. Einer sagt deutlich nein. Die anderen sagen das, was man eigentlich auch weiß. Es gibt selten einen freien Platz, weil diese begrenzt sind. Es muss immer erst ein Hund so weit resozialisiert sein, dass diese auch vermittelt werden kann. Meist ist aber genau das schwer und so wird der Platz eben nicht frei. Wer möchte schon einen Hund, der nachweislich einen Schaden angerichtet hat oder doch etwas mehr verhaltensoriginell ist? Es würde mich also sehr wundern, wenn einer dieser Vereine ein Übernahmeangebot gestellt hat. 

Bleibt ein als Gnadenhof deklarierter Verein übrig. Dieser kam schon öfter medienwirksam daher und brüstet sich damit Hunde wie Chico aufgenommen zu haben. Hin und wieder schwappt dort mal etwas hervor, was ein ganz anderes Licht auf diesen Verein wirft. Die Betreiber wissen selbst nicht, wie viele Hunde auf dem Gelände untergebracht sind. Wenn die Tierpfleger die Zahlen benennen, werden selige aufgefordert auf Nachfragen mit geringeren Zahlen zu antworten. Besucher dürfen bestimmte Bereich nicht beuschen – davon ab, dass es nur einmal im Monat eine geführte Besuchsmöglichkeit gibt. Selbst der AmtsVet hatte bei seinen Kontrollen Schwierigkeiten alle Gebäude zu besichtigen. Von andere Insiderberichten möchten wir nun besser einmal nicht sprechen. Mir war der Hof das erste Mal durch einen aggressiven Umgang mit einem Fernsehteam schon vor vielen Jahren aufgefallen. 

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick in die Tierschutz Hundeverordnung (TschHVo). Diese schreibt die Größe von Zwingern, Auslauf und Kontakte vor. Allein nach dieser Verordnung wäre eine Haltung von Chico auf längere Sicht unmöglich. Der Schutz des Menschen geht nun einmal vor und ich persönlich frage micht, welcher Mensche sich wirklich freiwillig versucht, dem Tier ohne Gitter zu begegnen. Nach den Filmaufnahmen möchte ich persönlich nicht auf das Gitter des Zwingers verzichten. 

Des Weiteren wäre es ja durchaus wünschenswert, dass Chico endlich medizinisch auf den Kopf gestellt wird. Dazu sollte der Hund direkt in Narkose gelegt werden, damit man die Chance bekommt alle nötigen Untersuchungen sicher durchzuführen. Wenn dann ein Hirntumor – zum Beispiel - ursächlich war, könnte man Chico einfach schlafen lassen. Ist es etwas, was man gut behandeln kann, dann hat man eine neue Diskussionsgrundlage. Danach kann man dann über eine tierschutzgerechte und sichere Unterbringung nachdenken. 

Während ich diese Gedanken über einige Tage habe gären lassen, ereignete sich der nächste tödliche Unfall mit einem Hund. Diesesmal war es ein Kleinkind im Alter von 7 Monaten. Auch hier wurden entsprechende Ermittlungen aufgenommen und das Tier erst einmal im Tierheim untergebracht.

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